Dienstfahrten mit BahnCard 100

  • Hallo zusammen,


    folgender Sachverhalt: Ich habe von meinem AG eine BahnCard 100 zur Verfügung gestellt bekommen, musste aber den geldwerten Vorteil bereits vorschüssig über meine Gehaltsabrechnung versteuern. Dh. aus Unternehmenssicht ist die Karte nun meine Privatsache (steht auch mein Name und nicht der Firmenname drauf). Jetzt hatte ich im letzten Jahr zahlreiche Dienstfahrten, die alle mit der BahnCard 100 gemacht wurden. Hierfür habe ich sämtliche Ticketpreise für die jeweiligen Fahrten an diesen Tagen angesetzt.


    Nun meine Fragen ...
    - Wie ist nun die steuerliche Behandlung dieser Dienstfahrten? (Verhältnis private und geschäftliche Nutzung)
    - Kann ich die jeweiligen regulären Ticketpreise ansetzten?
    - Muss mir mein AG diese Fahrten für das FA bestätigen oder reichen die Ausdrucke der Preise aus bahn.de?
    - Wie gebe ich das korrekt in Steuertipps 2017 ein?


    Bin leider kein Steuerexperte und das Thema ist etwas komplex. Freue mich daher über Hilfe und Input.


    FG KHE2017

  • Quote from KHE2017;21744

    Hallo zusammen,


    Nun meine Fragen ...
    -
    - Kann ich die jeweiligen regulären Ticketpreise ansetzten?
    - FG KHE2017


    Wenn Sie die Tikets gekauft haben, können Sie den Kaufpreis absetzten.

  • Quote from KHE2017;21744


    - Kann ich die jeweiligen regulären Ticketpreise ansetzten?


    - Wie gebe ich das korrekt in Steuertipps 2017 ein?


    Die regulären Ticketpreise können Sie nicht ansetzen, da bei der BahnCard 100 keine gesonderten Kosten anfallen.


    Die Kosten für die BahnCard 100 setzen Sie ein:


    Nichtselbstständige Arbeiten > Werbungskosten > Weg zur Arbeit/Reisen/Doppelter Haushalt > Auswärtstätigkeit > Art: Dienst-/Geschäftsreise (eintragen 01.01.2016 bis 31.12.2016) - Verschiedene Orte > Fahrtkosten > Öffentliche Verkehrsmittel - Kosten der BahnCard 100 ("BahnCard") eintragen.


    Vergessen Sie nicht, dass Sie für die einzelnen Reisen u.U. Verpflegungs- und Übernachtungskosten eintragen können. Dann jede Reise gesondert mit Datum erfassen.

  • Vielleicht blick ich s nicht, aber für mich stellt sich die Sache so dar. Der AG hat die Bahncard100 gekauft und setzt sie als Betriebsausgaben zu 100% ab. Der AN bekommt die Bahncard geschenkt. Für mich ist es so, dass er nur recherchiert hat, was ein Ticket gekostete hätte, wenn er welche gekauft hätte. Gekauft hat er aber keine. Die Bahncard 100 ist eine Flatrate für sämtliche Bahnverbindungen, kostet über 4000 €, somit hatte er keine Ausgaben.


    Jetzt frage ich mich, was er bei Werbungskosten eintragen will, wenn er keine Ausgaben hatte. Das wäre ja doppelt von der Steuer abgesetzt. Wenn über 8 Std. evtl. Verpflegungspauschale. Der geldwerte Vorteil betrifft die Privatfahrten.
    Er meldet sich leider nicht mehr. Sonst hätte ich ihn gefragt, wie hoch seine Ausgaben waren, nur auf die kommt es letztendlich an.

  • Es ist in der Tat nicht einfach, teilweise ein kompliziertes Auf- und Gegenrechnen von Kosten und Aufwendungen.


    Die einfache Rechnung mit der Erfassung unter Werbungskosten geht nur, wenn der AN die Kosten für die BahnCard selbst gezahlt hat.

  • Hallo zusammen,


    zunächst mal vielen Dank für die zahlreichen Beiträge. Ich bin ja echt froh, dass nicht nur ich das Thema kompliziert finde. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, hier weitere Infos ...


    - Gemäß Arbeitsvertrag müsste mir der AG eigentlich eine Bahncard 100 kostenfrei zur Verfügung stellen ("Der AN erhält vom AG eine Bahncard 100").
    - Jedoch wurde folgende Regelung gewählt ...
    - Ich habe die 4.199,--€ für die Bahncard 100 bezahlt, habe die Rechnung meinem AG gegeben und der hat mir die 4.199,--€ bei meiner nächsten Gehaltsabrechnung zu meinem normalen Gehalt dazu addiert, so dass ich Steuern (Lohnsteuer, Sozialabgaben etc.) von dem Gesamtbetrag bezahlt habe. Und zwar bereits zu Anfang des vergangenen Jahres als ich die Bahncard gekauft hatte.
    - Die Begründung war, dass wenn das Arbeitsverhältnis unterjährig enden würde, man ja wieder die zuviel bezahlte Steuer zurückfordern müsse, insofern hat man den Aufwand auf den AN umgelegt. Soweit so gut ...
    - Nun bin ich im letzten Jahr recht häufig mit der Bahncard dienstlich in Deutschland gefahren. Aber eigentlich waren das dann ja Privatfahrten, denn die Bahncard lautet ja auf meinen Namen und ich habe sie ja faktisch gekauft, oder? Der AG hat mir zwar den Betrag erstattet, doch die steuerliche Behandlung der Karte obliegt komplett mir.
    - Für diese Fahrten habe ich dann ein Fahrtenbuch geführt und habe für die Kosten der Fahrten die tagesgleichen Ticketpreise angesetzt.
    - Mein AG meint, ich solle mir einfach die Kosten für die Dienstfahrten, also das Verhältnis Privatfahrten / Dienstfahrten wieder von der Steuer zurück holen.


    Und an diesem Punkt stehe ich nun ...
    Wie soll ich das in Steuertipps eintragen?
    Was ist überhaupt möglich?
    Mir stellt sich auch die Frage, ob das denn rechtlich und steuerlich einwandfrei und sauber abläuft?
    Oder ob ich hier einfach benachteiligt werde?


    Leider bin ich kein Steuerprofi, insofern kann ich die Sachlage nicht vollkommen einschätzen. Mich stört aber allein die Tatsache, dass das auf meinem Rücken ausgetragen wird und ich nun eine Lösung finden muss ggfs. sogar mit professioneller steuerlicher Beratung, die dann auch wieder ich bezahlen muss. Von rechtlicher Seite habe ich mich schon schlau gemacht ... das ist nicht korrekt abgelaufen, jedoch bleibt mir hier nur einen Anwalt einzuschalten oder halt nicht.


    Freue mich auf Feedback.


    Gruß KHE2017

  • Wenn selbst gekauft, was ich ursprünglich bereits annahm, gilt mein Eintrag vom 20.03.2017, 10:30 Uhr.


    Reichen Sie den Vorgang mit der ausdrücklichen entsprechenden Erläuterung so beim FA ein. Legen Sie dabei alle Fakten offen, verschweigen Sie nichts. Mehr kann man von Ihnen nicht verlangen. Halten Sie vorsorglich eine Aufstellung Ihrer Reisen mit den jeweiligen regulären Ticketpreisen parat.

  • Hier handelt es sich im Grunde genommen um Erstattung von Reisekosten. Nach § 3 Nr. 13 und § 16 Einkommensteuergesetz sind Erstattungen in Form von Arbeitslohn steuerfrei zu erstatten. Bei steuerfreier Erstattung verringern sich die Werbungskosten des AN um diesen Betrag. 4000 € bezahlt, 4000 € zurück bekommen, also keine Kosten entstanden. Eintragen kann man viel, kann auch mal durchgewunken werden Frage ist nur: ist es gesetzeskonform oder hält es einer Lohnsteuer-Außenprüfung stand. Ansonsten gönne ich jedem ein paar Euro Erstattung bei der hohen Steuerlast.

  • Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich verstehe es nur leider nicht vollständig: Was bedeutet steuerfrei zu erstatten? Von wem (AG oder FA)? Heisst das, dass ich ausser der Bahncard 100 dann keine weiteren Werbungskosten angeben kann/darf (z.B. Fachliteratur, Internet, Bewerbungskosten etc.)? Leider ist mir immer noch nicht klar, wie ich das nun in Steuertipps 2017 eintragen soll? Können Sie mir da bitte helfen?

  • Lesen Sie doch die Beiträge hier, dann wissen Sie, wo Sie die BahnCard eintragen müssen.


    Selbstverständlich können Sie weitere Werbungskosten erfassen. In der SSE unter Werbungskosten.


    Das Finanzamt erstattet Ihnen nichts, das Sie unter dem Begriff "steuerfrei" erfassen können, außer, dass Ihnen das FA bereits gezahlte Steuer rückerstattet. Nutzen Sie die Hilfen in der SSE!

  • Hierzu habe ich auch einige Fragen: Dh. ich trage bei einer Position in dieser Aufstellung (Auswärtstätigkeit > Dienst-/Geschäfstreise > ...) die kompletten Kosten der Bahncard 100 ein (4.090,00€ in 2016)? Und danach trage ich in dieser Lasche auch jede einzelne Dienstfahrt mit den jeweiligen Ticketpreisen ein?

  • Ich habe die Kosten für die Bahncard 100 bisher unter Wege zur Arbeit > Kosten für öffentliche Verkehrsmittel eingetragen. Dann habe ich meine Dienstfahrten unter dem Reiter Auswärtstätigkeit erfasst und habe hier die jeweiligen Ticketpreise, die bei einem regulären Kauf angefallen wären, erfasst. Wenn ich jetzt aber unter dem Reiter Auswärtstätigkeit die kompletten Kosten der Bahncard 100 ansetze (wie oben beschrieben), dann erhalte ich einen ungemein höheren Betrag als wenn ich diese Position rauslasse. Ich verstehe es leider nicht - vielleicht können Sie mir helfen, ich weiß hier echt nicht mehr weiter.

  • Lesen Sie den Post 20.03.2017, 09:30 Uhr. Wenn Sie die BahnCard 100 selbst gezahlt haben, können Sie nur deren Kosten einsetzen und nicht noch zusätzlich die einzelnen Fahrten, die Sie ja garnicht gezahlt haben.


    Sie können jedoch noch geltend machen: für jede einzelne Reise Verpflegungsmehraufwendungen, Reisenebenkosten und ggf. Übernachtungskosten.

  • Geben Sie die steuerfreien Zuschüsse und Erstattungsbeträge an, die Sie im Jahr 2016 von Ihrem Arbeitgeber für diese dienstliche Auswärtstätigkeit erhalten haben und die nicht auf der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesen wurden.
    Diese steuerfreien Zuschüsse und Erstattungen vermindern die Werbungskosten. Der Text wurde der SSE entnommen bei Auswärtstätigkeiten


    Also demnach müssen Sie keine AG-Beteiligung betreffs Bahncard bei den Werbungskosten eintragen.


    Ich glaub , ich weis jetzt wo s klemmt. Fahrt zur 1. Tätigkeitsstätte habe ich jetzt außen vor gelassen.
    Bei Auswärtstätigkeit tragen Sie bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmittel den Preis Ihre Bahncard ein..
    Das war s. Mehr geht nicht. Die SSE setzt jetzt bei Werbungskosten 4000 € an. Den Bahncard-Preis müssten sie allerdings, steht auch irgendwo in der SSE, aufteilen, prozentual in privat und dienstliche Fahrten.

  • Servus Adi,


    Herr KHE2017 hat keine steuerfreien Zuschüsse vom AG erhalten, denn er schrieb:
    "habe die Rechnung meinem AG gegeben und der hat mir die 4.199,--€ bei meiner nächsten Gehaltsabrechnung zu meinem normalen Gehalt dazu addiert, so dass ich Steuern (Lohnsteuer, Sozialabgaben etc.) ... darauf zahlen musste."
    Wenn er Glück hat, bekommt er 2.000 € mehr netto raus bei 4.199 € zusätzlichem Bruttolohn.


    Ich würde sagen, er hat eine einmalige steuerpflichtige Gehaltszulage bekommen, und vom zusätzlichen Nettolohn und von eigenem Geld sich dann eine Bahncard gekauft.
    So gesehen ist da nirgendwo eine steuerfreie Erstattung vom AG.
    Der Vorteil für den AG: Sämtliche Dienstreisen seines Beschäftigten stellen für den AG keinen zusätzlichen Aufwand dar, daher die Idee mit der einmaligen steuerpflichtigen Zulage.
    Aus Sicht des AN tendiere ich dazu, den gesamten Kaufpreis i. H. v. 4.199 € zugrundezulegen, jedoch aufgeteilt in Privatfahrten und geschäftl. Fahrten. Das ergibt einen Prozentsatz ähnlich wie bei Führung eines Fahrtenbuches, und in Höhe des betriebl. "Nutzungsanteiles" würde ich den Preis der Bahncard anteilig als Werbungskosten ansetzen.
    Evtl. formlos eine Anlage dazu erstellen, damit es der Bearbeiter im FA möglichst schnell kapiert.

  • Hallo geraldino65. Jetzt war ich in bisschen schneller. Ja, Sie haben recht. Nur, ich habe eine Textstelle zitiert, nach der der AG den Betrag steuerfrei erstatten müsste, dann ergäbe sich eine andere Situation. Aber egal,


    Steuerliche Konsequenzen:
    Karte kostete 4000€ 80% dienstlich 20% privat, also Ansatz für WK= 3200 €
    minus Werbungskostenpauschale 1000 €
    verbleiben 2200 €
    Steuersatz, vielleicht 30 % ergibt Erstattung von 660 €
    minus gezahlte Lohnsteuer für die Bahncard geschätzt von 4000 € 1000 €
    also steuerliche Auswirkung - 340 €
    Es kommt jetzt nicht ganz so schlimm, er hat ja noch weitere Werbungskosten.

  • Wir befinden uns jetzt in einer Endlosschleife, vor allem, wenn KHE2017 immer wieder nachfragt, was er eingeben muss, obwohl wir ihm ausreichend Hinweise gegeben haben.


    Er hat offensichtlich nur die BahnCard 100 bezahlt. Und nur diese Werbungskosten kann er geltend machen, plus Reisekosten ohne Fahrtkosten.

  • Hallo KHE2017, sie möchten wissen, ob sich das lohnt.


    Die Zahlen werden nicht alle stimmen, aber so in der Größenordnung wird sich die Bahncard
    steuerlich auswirken.


    Karte kostete 4000 € 80% dienstlich 20% privat, also Ansatz für WK= 3200 €


    Steuersatz, vielleicht 35 % ergibt Erstattung von 1120 €
    minus gezahlte Lohnsteuer für die Bahncard geschätzt von 4000 € 1000 €
    steuerliche Auswirkung 120 € Erstattung
    evtl. noch Verpflegungspauschale.


    Allerdings hätte der AG, wie schon geschrieben, den Zuschuss für die Bahncard steuerfrei überweisen müssen. Dann hätte sich folgende Berechnung ergeben:

    Wieder 80% berufliche Nutzung 3200 €
    minus AG Zuschuss 4000 €
    ergibt minus 800 €
    Also keine steuerliche Auswirkung, da keine Kosten entstanden sind.
    Eventl. Verpflegungspauschale.
    Die Berechnungen beziehen sich nur auf die Bahncard. Haben Sie weitere Werbungskosten, können Sie diese selbstverständlich noch geltend machen.

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