Fahrtkosten für Leiharbeiter

  • Guten Tag,

    mein Enkelsohn ist als Leiharbeiter bei Airbus beschäftigt. Kann er die jährlichen Fahrten Wohnort - Arbeitsstelle als Dienstreise steuerlich ansetzen?

    Soll man das einfach versuchen? (Finanzgericht Nds. 9 K 130/16).

    Bitte um Hilfe.

    PS: Wo trage ich die Fahrten in der Steuererklärung ein?

    Edited once, last by hannover (April 28, 2024 at 11:14 AM).

  • Werbungskosten aus Unselbstständiger Arbeit.

    In der SteuerSparErklärung tragen Sie die Fahrten unter „Weg zur Arbeit/doppelter Haushalt“ ein.

    Sie sehen dann auch, ob diese Werbungskosten über der Pauschale von 1.230 Euro liegen

    Staufer

  • In der SteuerSparErklärung tragen Sie die Fahrten unter „Weg zur Arbeit/doppelter Haushalt“ ein.

    Das war m. E. nicht die Frage. Es geht eher darum, ob der Enkel dem Unternehmen Airbus nur befristet (vorübergehend) zugeordnet ist und deshalb statt der Entfernungspauschale Hin- und Rückfahrt abgerechnet werden darf. Das kann man aus der Ferne nicht beurteilen, das ergibt sich aus dem Zuweisungsschreiben des Arbeitgebers. Wenn dort z. B. steht: für voraussichtlich 2 Jahre, dann kann man Reisekosten geltend machen.

  • Soll man das einfach versuchen? (Finanzgericht Nds. 9 K 130/16).

    Derlei Fragen kann man sich auch zunächst einfach mit der Steuersparerklärung versuchen zu beantworten! Mit den Hinweisen und den Programmhilfen wird man dann weiterkommen oder vielleicht an einer Stelle wieder zurückrudern müssen, wenn man ganz "genau" alle Hinweise beachtet. Ein ausgewiesenes steuerliches Expertenwissen ist bis dahin noch nicht nötig. Erste Fragen können meistens auf diesem Wege bereits abgefrühstückt werden.

    PS: Wo trage ich die Fahrten in der Steuererklärung ein?

    Genau, man fragt sich immer zuerst, wo würden solche Fahrten denn einzutragen sein, sofern man sie denn für sich geltend machen könnte? Hier muss man vielleicht auch ein wenig Mut haben, solche ersten Schritte zu gehen. Es entspricht zwar der weitläufigen Prämisse der Anwender zuerst nachzufragen, ob etwas ginge und dann erst die Frage nachdem wie und wo zu beginnen. Dann kommt man aber leider oft nicht weiter und ist immer wieder auf die Hilfe von anderen und Experten angewiesen. Denn die Hinweise und Hilfen folgen stets auf dem Fuße im vorausgegangenen Schritt. Eine wesentliche Eigenart solcher Anwendungen, wobei sie diese Vorgehensweisen in anderen Fällen sicher so nicht unternehmen können. Wenn Sie wissen wollten, ob Ihr Fahrzeug auch schwimmen könnte, erfahren Sie dies garantiert durch die Tatsache, dass es auf jeden Fall untergehen würde. :)

    Allerdings, so ist einzugestehen, dass die Steuerprogramme noch nicht über eine regelmäßige KI verfügen, sodass man mit abweichenden Begriffen von der Norm oder aus dem Steuerrecht mit der Suchfunktion bei umgangssprachlicher Verwendung so ziemlich in die Irre geführt werden könnte oder erst gar keine Treffer erzielt. Ihre Frage:

    Kann er die jährlichen Fahrten Wohnort - Arbeitsstelle als Dienstreise steuerlich ansetzen?

    ließe sich so einfach nicht verschlagworten, wenn Sie die Suchfunktion oben rechts über der Eingabehilfe nutzen wollte.. Sie kämen wo möglicherweise zu sonstigen Fahrten. Den "Leiharbeiter" können Sie auch nicht so einfach als Suchtext verwenden. Auch mit dem Schlagwort "Dienstreise" ginge es nur zäh weiter, denn hier führt die Suche zuerst und auch nur zu den tatsächlichen Fahrzeugkosten im Bereich der -Allgemeinen Kosten, obwohl hierbei eine Antwort auf eine Detailfrage gegeben würde, die zunächst einmal noch gar nicht relevant scheint. Aber im Register -Hilfen- werden Ihnen bereits 12 Treffer angezeigt. Der letzte Treffer "Reisekosten bei Auswärtstätigkeit" klingt ganz vielversprechend und könnte Sie auf die richtige Fährte führen. Nehmen Sie gleich das erste Angebot in der Trefferliste. Der Link führt Sie dann zur -Auswärtstätigkeit- im Bereich -Werbungskosten\Weg zur Arbeit/Reisen/doppelter Haushalt\Auswärtstätigkeit Übersicht\Auswärtstätigkeit-, wo Sie jetzt eine solche erfassen können (könnten). Bereits hier sollten Sie Ihren Blick nicht mehr rechts von der "Eingabehilfe"; den "Steuertipps" und vor allem dem Prüfer lassen. Sie haben in der Auswahlliste eine Art von "Auswärtstätigkeit" zu treffen. Die vier Auswahlbegriffe werden Ihnen bereits in der Eingabehilfe knapp erläutert. Wenn bereits hier schon keiner der Begriffe für Sie (ihrem Enkelsohn) zuträfe, könnte das bereits schon der Ausstieg für Sie bedeuten. Denn wenn Ihr Enkelsohn das ganze Jahr über bei Airbus also nur einem einzigen Entleiher stets am selben Ort beschäftigt war, dürfte auch eine Tätigkeit an wechselnden Einsatzorten, die Sie von zu Hause oder Ihrer ersten Tätigkeitsstätte aus aufsuchen, auch nicht mehr in Frage kommen. Den Hinweis zu Ihrem Urteil "Finanzgericht Nds. 9 K 130/16"können Sie nun schon ad acta legen. Dieses Urteil ist bereits veraltet und überholt. Es stammt aus dem Jahre 2016, wie man unschwer erkennen kann. Was aber nicht zu bedeuten habe, dass Entscheidungen nicht lange überleben können. Das wären aber dann schon bereits Entscheidungen der Obergerichte, ab dem Bundesfinanzhof.

    So sei auf Ihre Frage zunächst "genauer" einzugehen! Hat der Enkelsohn nun eine "Erste Tätigkeitsstätte" oder nicht? Die Steuertipps zur >>Ersten Tätigkeitsstätte<< erläutern im zweiten Absatz an dieser Stelle, den von charlie in #3 gegebenen Hinweis, wie denn nun eine befristete oder dauerhafte Zuordnung zu verstehen sei. Aber wie man sieht, mit der aus dem Arbeitsrecht entliehenen Befristung im Leiharbeitsverhältnis gab sich die Finanzverwaltung bisher nicht zufrieden und wendet, wie es bei wissenschaftlichen Hypothesen der Fall ist, eine gegenteilige, verneinende Fragestellung an, die sie zur Entscheidung den Bundesrichtern einst vorgelegt hatte und stellt die Hypothese nach Dauerhaftigkeit. Denn zurecht kann ein Arbeitgeber auch bei einem dauerhaften Arbeitsverhältnis, einen Mitarbeiter befristet einer Tätigkeitsstätte zuordnen, unabhängig ob Leiharbeiter oder Stammpersonal. Und wenn die Befristung drei Jahre dauern würde, so wäre auch dies in diesem Sinne noch eine Befristung. Nur ist es dann eine dauerhafte Zuordnung, weil sie bereits länger als 48 Monate andauerte, wie es aus den späteren obergerichtlichen Entscheidungen der Rechtsprechung und Gesetzgebung hervorging. Sie haben nun das Arbeitsverhältnis des Enkelsohnes genauer zu hinterfragen, was im "Zuweisungsschreiben" oder im Arbeitsvertrag des Arbeitgebers steht.

    Soll man das einfach versuchen? (Finanzgericht Nds. 9 K 130/16).

    Nicht wenige gehen den mutigen Schritt auch bei einer längeren befristeten Zuordnung als 48 Monate doch dann wenigstens die ersten zwei Steuerjahre schon einmal mit Reisekosten zur angeordneten Arbeitsstelle anzusetzen. Davon sollte Abstand genommen werden. Die Lohnkonten insbesondere der Arbeitnehmerüberlassungen werden regelmäßig durch die Finanzbehörde überprüft. Zuweisungen zu Auswärtstätigkeiten sind ein regelmäßiger Prüfungspunkt. Der Arbeitgeber hat genau anzugeben, welche Dienstverhältnisse er unterhält. Einige Finanzämter bügeln solche Erklärungen von vornherein ab, wenn der Arbeitgeber bereits Mitteilungen in Vorermittlungen hinterlegt hatte. Oder dies zu vermuten war. Deshalb ist auch verwunderlich, manchmal geht es manchmal nicht! Zu Empfehlen ist ein solcher Versuch nicht, denn auch nach vielen Jahren, können Bescheide wieder rückgängig gemacht werden, wenn von Anfang an feststand, dass eine dauerhafte Zuordnung mit dem Arbeitnehmer vereinbart war egal wer das gewesen sein könnte. Darüber hinaus könnte Steuerhinterziehung begangen worden sein, wenn eine betrügerische Absicht nachgewiesen würde.

  • Hier noch ein Kommentar, welche Bewegung in diese Fragestellung gekommen ist. Sollte das Finanzamt sich dahingehend äußern -Reisekosten nicht anerkennen zu wollen- und nicht von sich aus ein Ruhen des Verfahrens anzubieten, sollte man sich wie üblicherweise auf das Revisionsverfahren beim BFH mit dem entsprechenden Aktenzeichen "Az beim BFH VI R 22/23" berufen.

    Erste Tätigkeitsstätte bei Leiharbeitnehmern | Steuern | Haufe

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