Abgabepflicht Einkommensteuererklärung wegen Lohnsteuerbescheinigung Zeile 18 höher wie tatsächliche Fahrtkosten?

  • Guten Morgen

    Ein lediger Arbeitnehmer ohne Kinder hat Lohnsteuerklasse 1, keinen Lohnsteuerfreibetrag, keine Lohnersatzleistungen, kein Fünftel Regelung,
    keine Nebeneinkünfte (nur einen echten Minijob), keine Einnahmen/Einkünfte aus anderen Einkunftsarten, kein Firmenticket.

    Es gab einen Arbeitgeberwechsel, da die Firma (bei der der Arbeitnehmer angestellt ist) verkauft wurde. Dem neuen Arbeitgeber ist der alte Arbeitgeber bekannt. Die erste Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers hat sich nicht geändert. Es gibt zwei Lohnsteuerbescheinigungen. Kein Großbuchstabe S auf einer der Lohnsteuerbescheinigungen.

    Die Arbeitgeber haben lt. Zeile 18 der Lohnsteuerbescheinigungen insgesamt ca. 940 € für Fahrtkosten von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte steuerbegünstigt ausbezahlt.

    Da der Arbeitnehmer (wegen fast nur Homeoffice) nur an 20 Tagen zur ersten Tätigkeitsstätte gefahren ist, sind das mit der Entfernungspauschale nur 150,40 € tatsächliche Fahrtkosten. Mit ÖPNV nur 112,70 €.

    Wenn der "NUR"-Arbeitnehmer eine Einkommensteuererklärung abgib und darin seine Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte ehrlich angibt,
    muss er die Differenz zwischen Zeile 18 und den tatsächlichen Fahrtkosten nachversteuern und über 120 € nachzahlen!


    Frage:
    =====
    Besteht wegen Zeile 18 höher wie tatsächliche Fahrtkosten eine gesetzliche Verpflichtung zur Abgabe der Einkommensteuererklärung?


    So wie ich die Steuertipps verstehe, besteht deshalb KEINE Abgabepflicht.


    Im Internet habe ich gefunden:
    Wann Pflichtveranlagung EStG?

    Eine Pflichtveranlagung wird durchgeführt, wenn die positive Summe der Einkünfte, die nicht dem Steuerabzug vom Arbeitslohn zu unterwerfen sind, vermindert um die darauf entfallenden Beträge nach § 13 Abs. 3 sowie § 24a EStG, mehr als 410 € betragen.


    Vielen Dank für Antworten und Hinweise.

  • Hallo Papa_001,

    940 € Zeile 18

    - 150 € tatsächliche Fahrtkosten mit der Entfernungspauschale (zum Kopfrchnen gerunden)

    = 790 €, die nachversteuert werden müssten => ca. 120 € Einkommensteuernachzahlung

    Die entscheidende Frage ist:

    MUSS der Steuerpflichtige
    NUR wegen Zeile 18 um mehr als 410 € höher wie die tatsächliche Fahrtkosten
    eine Einkommensteuererklärung abgeben?

  • Sorry, ich hatte nicht richtig mitgerechnet. Wenn der Betrag in der Zeile 18 höher ist als 410 Euro die für den Weg zur Arbeit als Werbungskosten gegen gerechnet werden können, ist eine Veranlagungspflicht vorgesehen. Leider können die ausgewiesenen Beträge nicht gegen andere Werbungskosten gegengerechnet werden. Das würde sich dann bemerkbar machen, wenn der Werbungskostenpauschbetrag nicht ausgeschöpft würde. Damit gingen die lohnsteuerfreien Zahlungen mit der Werbungskostenpauschale unter, da man sie auch so hätte.

    Ebenso hat aber auch der Arbeitgeber dafür Sorge zu tragen, den korrekten Lohnsteuerabzug sicher zu stellen, denn er weiß ja, ob dem Mitarbeiter die Aufwendungen für den Weg zur Arbeit entstanden seien. Das wäre dann ein typischer Fall für eine Lohnkontenprüfung, der den Arbeitgeber dazu zwingen könnte einen Lohnsteuerausgleich vorzunehmen. In dem Falle sollte auch eine Sicht der Gehaltsabrechnungen zu Beginn des nächsten Jahres vorgenommen werden, ob es Aufrolldifferenzen hinsichtlich dieser steuerfreien Zahlungen gegeben haben könnte.

    Ansonsten wäre der Steuerzahler dazu verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben.

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