Verlustvortrag für nachgewiesene Arbeitnehmer Werbungskosten, auch wenn erste eigene Berufsausbildung?

  • Guten Morgen

    Verkürzt gefragt:

    Gibt es nach derzeitiger Gesetzeslage einen Verlustvortrag für nachgewiesene Arbeitnehmer Werbungskosten,
    auch wenn es die erste eigene Berufsausbildung ist?

    Von der Ausbildungsvergütung wurde keine Lohnsteuer abgezogen.
    Weitere Einkünfte und Bezüge sind nicht vorhanden.

  • gibt es hier bezüglich meiner steuerlichen Frage einen Unterschied?

    Meiner Meinung nach gibt es keinen Unterschied, deshalb verstehe ich auch die Nachfrage nicht.

    Dass die Werbungskosten höher sind als die Ausbildungsvergütung brutto ist allerdings recht selten. Ein Verlust kann ja nur entstehen, wenn bereits

    der Gesamtbetrag der Einkünfte negativ ist.

  • Hallo Papa_001

    Gesetzeslage oder Rechtslage

    gibt es hier bezüglich meiner steuerlichen Frage einen Unterschied?

    Eigentlich schon! Da das Steuerrecht wie eben jedes andere Recht eine Wissenschaft ist, welche gefunden werden muss, gilt das auch für das Steuerrecht. „Das Recht muss gefunden werden“. So die weitläufige Feststellung. Da das Recht aber im Wesentlichen eine Buchwissenschaft ist, müssen hier nicht erst irgendwelche Versuche oder aufwendige Experimente wie in den Naturwissenschaften oder empirische Versuche aus den Sozialwissenschaften veranstaltet werden. Somit finden wir das Recht in der Lehre, den Gesetzen (Normen), Kommentaren und letztendlich den Urteilen der Obergerichte. Die Rechtslage bildet somit den Umfang eines Rechts. Während eine Gesetzeslage eher den rechtspolitischen Diskurs darstellt, da ein Thema dann nur von seiner legislativen sprich rechtspolitischen Betrachtung beleuchtet wird.

    Die einfachste Form sein Recht oder das eines anderen zu finden, stellt ein Blick in die Gesetzesbücher des jeweiligen Rechtsgebietes dar. Darauf wird man sich aber nicht verlassen können, denn nicht jeder hat die Befähigung oder die Erlaubnis eine Norm bzw. ein Gesetz für eine zu bestimmende Rechtsfrage zu deuten bzw. auszulegen, wie uns, den Forenteilnehmern gleichfalls hier auch nicht gestattet ist. Die Auslegung von Rechtsnormen bleibt den Spruchkammern vorbehalten also der Rechtsprechenden Gewalt. Nur in einem Gericht wäre es dann möglich ein bestimmtes Recht zu erkennen. Solange also niemand die Ausgangsfrage für sich konkret selbst oder einen anderen stellt, wird man noch dazu Beiträge einstellen können, denn auch Beratung bzw. Hilfe in Steuersachen bleibt nur einem bestimmten Personenkreis vorbehalten. Wobei es hier im Forum meistens so gehandhabt wird, auf bereits erkannte Rechtsfragen zu verweisen. Damit wären wir dann bei den Rechtsauffassungen bereits gefundener Rechtsfragen zu bestimmten Rechtsgebieten. Rechtsauffassungen stellen aber nicht primär nur Meinungsäußerungen zu einem bestimmten Rechtsgebietes oder zu Urteilen von Obergerichten einer einzelnen Person dar. Sie sind als solche ein Beleg für eine objektive Betrachtung, weil nicht einer alleine zu einem bestimmten Ergebnis gekommen ist. Die im Steuerrecht zuvorderst gebräuchliche Handhabe stellen die Richtlinienhandbücher der Steuerbehörde. Sie stellen die Rechtsauffassung der jeweiligen Behörde dar, denn eine Behörde als ein Kernelement der Executive hat nur eine Handlungsmaxime, nämlich nach Recht zu handeln. Noch bis vor etwa zehn Jahren, so mein persönlicher Eindruck, bestanden Rechtsbehelfe in Steuersachen zu einem großen Teil darin, die Steuerbehörde auf bestimmte Richtlinien hinzuverweisen, also Ihnen ihre eigene Rechtsauffassung aufzuzeigen. Die Richtlinienhandbücher zum Einkommensteuerrecht oder zur Lohnsteuer nehmen für jeden Paragrafen im Steuerrecht eine Ausführungsbestimmung vor. Diese Ausführungsbestimmungen werden auch stets aktualisiert, wenn sich das Recht weiter bzw. fortentwickelt hat. Denn mit der Setzung eines Rechts also den Verlesungen der Kammern aus der Legislative endet ja niemals das Recht. Schon während der Lesungen nehmen bereits Berufsverbände von beteiligten Gerichtspersonen Stellung und üben heftige Kritik an den Gesetzen der Parlamente. Wobei man doch meinen sollte, dass sie das nichts anzugehen habe. Deren Selbstverständnis geht sogar so weit, indem sie bereits androhen, wie sie ein bestimmtes Urteil sprechen würden, wenn ein bestimmtes Gesetz verabschiedet würde. Im Verlauf einer Legislaturperiode gibt es dann Entscheidungen zu einzelnen Rechtsfragen, die der Gesetzgeber nicht nur schlicht und einfach übersehen hat, sondern sich schlicht und einfach damit nicht durchsetzen konnte. Gesetze stellen zwar im einfachsten Sinne Klarheit und Sicherheit, sie müssen aber nicht immer für jeden einzelnen Bürger oder einer Berufsgruppe das beste Allheilmittel sein. Daher wird es auch stets noch andere Rechtsauffassungen geben, auf die man sich gegenüber der Finanzverwaltung berufen kann. Das wären dann Entscheidungen, die noch nicht in die Richtlinien aufgenommen wurden oder etwa Aufsätze von Rechtswissenschaftlern. Aber niemals ließen sich eigene Meinungen dazu verwenden.

    Zur Ausgangsfrage zurück zu kommen! Im Kern macht die Frage dann zwar kein Unterschied, weil ja, wie Charlie24 ausgeführt hat, ein Verlust erst bei negativen Einkünften entstehen kann. Doch Rechtslage und Gesetzeslage sind enorm streitbare Unterschiede!

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