Arztrechnung in raten gezahlt

  • Ich hatte im Jahr 2016 eine Augenarzt Rechnung von 5400€, die ich selber bezahlt habe.does habe ich in raten innerhalb eines Jahres gezahlt.
    Reiche ich diese für das Steuerjahr 2016 ein oder muss ich die Raten, die ich in 2017 gezahlt habe, in der Steuererklärung für das Steuerjahr 2017 einreichen?


    Vielen Dank im voraus für eine Antwort

  • Naja, genauso gut hätte man sich einen Kredit aufnehmen und die Rechnung in einer Rate zahlen können, da fragt dann auch niemand, woher das Geld gekommen sei. Und selbst wenn, das Geld für den Kredit hätte auch für die Urlaubsreise oder Reparatur für das Auto bestimmt werden können. Ich würde die Rechnung, sofern dies sich besser auswirkt in einer Steuererklärung angeben. Und dann wird man sehen. Vielleicht genügt es ja auf Anforderung zunächst nur die Rechnungsstellung des Arztes vorzulegen. Die Finanzämter wollen vielleicht nur den Bestimmungszweck nachgewiesen haben. Ich habe schon erlebt, weil nur die Quittung aber nicht die Rechnung vorgelegt wurde, dass diese nicht anerkannt wurde. Aber gut, es gibt halt Fragen, die sich dann nicht mehr besser beantworten lassen, wenn sie gestellt wurden. Natürlich müsste man auch in der Lage sein, die Ausgaben wirtschaftlich gestemmt haben zu können. Das Einkommen muss sich dafür gegenüber stellen lassen.

  • Hallo Papa_001,


    in der Einkommensteuererklärung vorsätzlich unrichtige Angaben zu machen ist Steuerhinterziehung und wird schwer bestraft.
    "Nichtwissen schützt vor Strafe nicht"
    Verjährungsfrist 10 Jahre, aber erst ab Jahresende (Jahreswechsel). Deshalb muss man als Steuerpflichtiger immer 11 Jahre denken.


    Das Finanzamt prüft zwar nicht jede Angabe des Steuerpflichtigen, kann aber bei Verdacht auch nachträglich den Beweis der Zahlung (hier vermutlich per Bank-Überweisung) verlangen.
    Auch bei einer Betriebsprüfung beim Augenarzt kann durch Kontrollmitteilungen herauskommen, das nicht der ganze Rechnungsbetrag im Steuerjahr 2016 bezahlt wurde.


    Dieses Risiko sollte Piggeldi nicht eingehen!


    Genau genommen muss der Steuerpflichtiger immer eine den Vorgaben des Finanzamtes entsprechende Rechnung + den Nachweise der tatsächlich geleisteten Zahlung vorlegen.
    Ich habe schon erlebt, dass Rechnungen (die in der Einkommensteuererklärung angegeben waren) gar nicht bezahlt wurden!

  • Erklären Sie mir mal, wieso sie darauf kommen, ich würde zur Steuerhinterziehung votieren? Gefragt wurde nach einer Ratenzahlung im wirtschaftlichen Zusammenhang bei außergewöhnlichen Belastungen. Stellen Sie sich vor, sie haben einen bestimmten Geldbetrag zur Verfügung, den sie entweder a für die Urlaubskasse verwenden könnten oder b für eine unerwartet höhere Arztrechnung. Wenn Sie auf die Urlaubsreise nicht verzichten wollen und gleichzeitig ihrer Schuldverpflichtung nachkommen sollen, müssten sie sich das fehlende Geld von dritter Seite beschaffen. Etwa einen Kredit aufnehmen. Nun dürften sich doch zwei Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich ihrer Steuererklärung im zulässigen Rahmen ergeben. Sie könnten das vorhandene Urlaubsgeld für die Arztrechnung verwenden und den Urlaub mit dem Kredit finanzieren und damit ihre außergewöhnlichen Belastungen noch im Festsetzungsjahr geltend machen. Oder, wenn sich für eine steuerliche Begünstigung, aufgrund ihres Selbstbehaltes in diesem Jahr keine Auswirkung zeigt, diese zusammen mit den Kreditratenzahlungen für die Arztrechnungen ins nächste Jahr verschieben, weil dann weitere außergewöhnliche Belastungen anstehen. Das wäre der wirtschaftliche Zusammenhang. Sie müssen aber dem Finanzamt die Umstände glaubhaft erklären. Denn nicht Sie als Steuerbürger ermitteln ihren Steuertatbestand, sondern das Finanzamt. Sie kommen lediglich ihrer Verpflichtung zur Mitwirkung bei der steuerlichen Ermittlung nach. Im eigentlichen Sinne, auch aufgrund der vorgelegten Formulare, in Form einer strengen Vernehmungstheorie. Sonst könnten Sie ja viel erzählen, woraus sich der ermittelnde Steuersachbearbeiter ihren steuerlichen Tatbestand zurechtlegen muss. Streng genommen sind die Formularfelder die an Sie gestellten Fragen der Ermittlungsbehörde. Diese Fragen müssen immer konkret beantwortet werden. Darüber hinaus bewegen Sie sich in ihrem Gestaltungsrecht, das ihnen ausdrücklich zusteht. Es können ja auch Gründe anstehen, wonach sie in einem anderen Rechtsfall ihren Steuerfall anders gestalten wollen. Im Bereich von Elterngeld, bei der Steuerklassenwahl oder sonstigen Lohnersatzleistungen. Darüber hinaus ist das Finanzamt aber nicht dazu verpflichtet, sich nur an die an Sie gerichteten Formularfragen zu halten. Es kann für sich für jeden Sachverhalt, die näheren Umstände zeigen lassen. Etwa Belege. Rechnungen, und wie in dem von ihnen beschriebenen Fall, auch von dritter Seite Einsicht in Geschäftsunterlagen zeigen lassen. Es ist natürlich nicht zu bestreiten, wie sie ja beschrieben haben, wenn der Geldbetrag bei ihnen nicht abgeht und bei dem Empfänger nicht ankommt, dass Angaben in dieser Art nicht mehr stimmen und daher falsch sind.



    Worüber es sich nachzudenken empfiehlt, wäre, wenn etwa der Arzt selber die Ratenzahlung in Form einer Kreditvermittlung über seine Abrechnungsstelle anbietet und sich die Ratenzahlung über zwei Festsetzungsjahre hinausstreckt.


    Steuerhinterziehung wird bestraft, wenn sie denn als solche zuerkannt wird. Ich kann sagen, dass ich hier im Forum noch nie beobachten konnte, dass jemand zur Steuerhinterziehung aufgerufen hätte und Sie sollten ebenfalls dergleichen anderen nicht lapidar vorwerfen. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn Sie sich an den ursprünglichen Fragen im Chatverlauf orientiert hätten und nicht nur einen Beitrag eines Posters herausgegriffen hätten. Hier hatte sich der Poster in #1 zunächst nur mit einer Ratenzahlung einer Rechnung für einen Augenarzt geäußert. Hier hätten Sie jetzt nachhaken können, ob die Raten an den Augenarzt geleistet wurden oder an ein Kreditinstitut. Außerdem ist ihre Äußerung in ihrem ersten Absatz ungenau, weil die Ahndung der Steuerhinterziehung nach fünf Jahren verjährt, jedoch die nachträgliche Festsetzung erst nach zehn Jahren. Ich weiß jetzt nicht, auf welche Art sie es erleben, wann und wo jemand Rechnungen in seiner Steuererklärung angibt, die nicht oder noch nicht bezahlt wurden. Auch da gibt es ja die Gestaltungsmöglichkeit, bei etwa wiederkehrenden Rechnungen, diese sowohl im alten als auch im nächsten Jahr anzusetzen.


  • Beschluss des Bundesfinanzhofs vom 21.02.2018, VI R 11/16:


    Außergewöhnliche Belastungen. Die anerkannten Krankheitskosten des Streitjahres sind bereits im Steuerjahr um die erst in den Folgejahren erhaltene Zahlung der Krankenkasse zu mindern. Insofern gilt hier nicht das Zufluss-/ Abflussprinzip.


    Zieht man daraus einen Umkehrschluss, können die vollen Arztkosten im Jahr der Rechnungstellung angesetzt werden. Demnach hätten die Arztkosten bereits 2016 vollständig angesetzt werden können/müssen.


    Hier hilft wie immer nur eines: Dem Finanzamt den Sachverhalt offen und vorbehaltlos mit allen Einzelheiten schildern und dessen rechtliche Entscheidung abwarten.


    Dem normalen Steuerbürger kann nicht zugemutet werden, dass er das komplizierte Steuerrecht in allen Einzelheiten kennt und anwendet. So schnell wird da also kein Steuerstrafverfahren draus. Es sei denn, man erfindet Sachverhalte und verschweigt Einnahmen oder erfindet Ausgaben, die es gar nicht gibt. Bei einer vollständigen Schilderung eines Sachverhaltes kann also nichts passieren.

  • Naja, die Finanzverwaltung äußert sich in ihren Richtlinien zum § 33 Abs. 1. Außergewöhnliche Belastungen, dazu unmittelbar in der Richtlinie R 33.1 (grünes Buch Amtliches Einkommensteuerhandbuch):


    „1 § 33 EStG setzt eine Belastung des Stpfl. auf Grund außergewöhnlicher und dem Grunde und der Höhe nach zwangsläufiger Aufwendungen voraus. 2 Der Stpfl. ist belastet, wenn ein Ereignis in seiner persönlichen Lebenssphäre ihn zu Ausgaben zwingt, die er selbst endgültig zu tragen hat. 3 Die Belastung tritt mit der Verausgabung ein. 4 …°


    So gesehen, deuten die Richtlinien, welche sich eine Behörde verpasst und sich dazu die Gesetze deutet, zunächst deren eigene Rechtsauffassung an. Diese können ja zuerst nachgeschaut werden, bevor man in den Kommentaren höherer Rechtswissenschaft ziellos herumstöbert. Es kommt ja nicht gerade selten vor, dass in Wider- oder Einsprüchen sogar auf die Richtlinien aus dem Amtlichen Einkommensteuer-Handbuch erst hingewiesen werden muss. Die (Finanz)-Behörde also ihre eigene Rechtsauffassung nicht kennt.


    1 beschreibt den Gegenstand der Belastung. 2 beschreibt wann der Stpfl. belastet ist. Und 3 wann die Belastung eintreten soll. Ob hierin ein Zufluss- oder Abflussprinzip gesehen oder nicht gesehen werden soll, mag dahingestellt sein. Die Belastung trete dann ein, wann damit begonnen werde. Es darf auch gerne nach dem Zeitpunkt der Verausgabung gesucht werden, wenn das Ereignis bereits viele Jahre bestanden hat aber der Stpfl. erst viel später mit der Verausgabung beginnen konnte, weil er dazu vorher nicht in der Lage war, etwa bei einem Sturmschaden oder Hausbrand. Es gibt immer sehr viel mehr Fragen als Antworten möglich wären, diese können nie ausgeschöpft werden, weder durch die Finanzbehörden, dem Gesetzgeber, durch den Verlag (Hilfen im Programm) noch hier im Forum. Ein Unterschied, die Rechtsprechung hat immer das letzte Wort.

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