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Steuern beim Crowdfunding sparen (Holding-Struktur)

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    Steuern beim Crowdfunding sparen (Holding-Struktur)

    ​Hallo!

    Ich mache es am Anfang sehr kurz und zum Ende hin erkläre ich meine Hintergründe etwas ausführlicher, damit für jeden etwas dabei ist

    Im 1. Abschnitt geht es nur um reine Fakten und die Pläne. Im 2. Abschnitt erläutere ich die (moralischen) Hintergründe.


    Eigentliche Frage / Sachverhalt:

    Wir möchten Ende des Jahres eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter starten. Wir planen dies seit 2014 und haben uns bisher eine kleine Fanbase mit unseren Prototypen aufgebaut. Auf Kickstarter möchten wir v. a. eine Handtasche und einen Weekender (Unisex-Reisetasche) als Hauptprodukte anbieten. (Ergänzt durch weitere Sachen...)

    Inzwischen sind wir ganz gut mit der Materie rund um Kickstarter vertraut und ich möchte gleich zur Sache kommen. Wir möchten die Einnahmen unserer Unterstützer so gut wie möglich reinvestieren. Toll wäre ein funktionierendes Lager, ein Online-Store, eine moderne Website, evtl. ein paar Aufträge für weitere Produkte und wenn es ein großer Erfolg wird vll. sogar ein richtiger Store.

    Und dabei möchten wir 2 Sachen sehr kurz halten bzw. vermeiden:
    • Wir haben nicht die Zeit und die Mittel eine große Buchführung zu betreiben
    • Wir möchten nicht ca. 25 - 30 % Steuern zahlen bevor wir das Geld reinvestieren können (bedeutet 30 % mehr investieren), egal ob Einkommenssteuer oder über eine GmbH usw.

    Gleich vorweg: Unten stehen unsere Gedanken und Hintergründe dazu. Wir wollen später keine Steuern mehr „hinterziehen“, aber am Anfang zum Aufbau einer Existenz zählt man generell jeden Cent. Und wir möchten vorausschauend planen und kalkulieren.

    Ein Beispiel:
    Wir nehmen 1000 € ein. Nun haben wir aber keine 19 % Umsatzsteuer ausgewiesen. Geht auch gar nicht, Kickstarter kennt das nicht.
    Letztlich müssten wir sie aber abführen.
    • 1000 / 1,19 = 840 (840 bleiben übrig)
      Wie sollen wir das den Unterstützer vermitteln? Geht nicht. Und ich gehe davon aus, dass ca. 90 % aller Crowdfunding-Kampagnen keine Steuern abführen.
    • weitere 10 % verlangt Kickstarter und die Zahlungsanbieter:
      1000 * 0,1 = 100
      840 – 100 = 740
    • 30 % müssen wir an eine Marketing-Agentur abtreten (mit Cashback). (Der Crowdfunding-Markt ist spätestens in 2-3 Jahren ein Ramsch-Markt, ohne diese Anbieter geht es mittlerweile nicht mehr)
      740 – (1000 * 0,3) = 440
    • weitere 25 % gehen für die Produktion weg, da wir faire Preise anbieten wollen. Dafür stehen wir:
      440 – (1000 * 0,25) = 190
    • davon nochmal mindestens 25 % Steuern weg:
      190 – (190 * 0,25) = 140
      Dazu der Buchhaltungskram, Steuerberater und die ganze Zeit, die man als Gründer für etwas anderes braucht. Hier ist leider der Sinn des Crowdfundings missverstanden worden.


    Unsere Idee bisher:
    Wir gründen eine Holdingstruktur aus 2 Limiteds. Kostenpunkt mit 1 Jahr Beratung und allen Abschlüssen und Buchhaltung: maximal 2500 €

    Vgl.: Kostenpunkt einer GmbH: mindestens 25k Stammkapital und durch Notar usw. knapp 30k

    Wir können so 95 % unseres Gewinns unversteuert in die Holding-Mutter fließen lassen, haben deutlich mehr Kapital für Investitionen und versteuern die restlichen 5 % ganz normal. Dieses Geld dürfte man dann sogar privat nutzen, richtig?

    Vorteile für uns:
    • Limited auf dem weltweiten Markt (v. a. USA und GB) viel bekannter und anerkannter
    • Limiteds sind günstiger umzustrukturieren und in andere Länder auszulagern
    • mehr Investitionsvolumen


    Sehr gerne würden wir uns für das Crowdfunding auch die Umsatzsteuer aus Zeitgründen und Kostengründen sparen.
    Bzgl. der UST heißt es: „Im Sinne des Umsatzsteuergesetzes soll nur der Endverbraucher mit der Umsatzsteuer tatsächlich belastet werden. Für Unternehmer stellt die Umsatzsteuer grundsätzlich also nur einen durchlaufenden Posten dar.“
    Für Crowdfunding-Projekte leider nicht zutreffend, mehr dazu schreibe ich unten.

    Es gibt Firmen, die ihre Produkte ins Ausland verkaufen und im Ausland keine UST auf ihre Produkte anfällt. Z.B. verkauft die Firma Jelsoft nach Deutschland ihre Software netto auch an Endverbraucher? Leider habe ich nur wenig dazu gefunden.

    Bsp.: Ich muss die UST nur auf die hier in Deutschland/Europa ausgelieferten Waren abführen. Die Einnahmen aus anderen Ländern sind für mich also frei von UST?

    Bisher habe ich häufig gelesen, dass man die UST im Land des Sitzes abführen kann. Und da gibt es gute Länder mit niedriger UST, z.B. Schweiz, Liechtenstein, Andorra, Kanada…


    Meine Fragen sind nun hauptsächlich:
    • Sehe ich alles richtig? Wird das so funktionieren?
    • Habt ihr noch weitere Tipps oder Hinweise auf evtl. Probleme?
    • Erfahrungen? Was sagen Finanzämter dazu?
    • Gibt es eine bessere Lösung?
    • Warum findet man im Internet keine Rechts- und Streitfälle zum Thema? Als ob jeder seine Steuern richtig zahlen würde…
    • Falls jemand Infos zur Haftung hat, die man nicht überall nachlesen kann, wäre ich auch für Tipps dankbar. Ansonsten etwas für einen Anwalt/Berater…


    Wir werden in den nächsten Wochen auf jeden Fall einen Anwalt bzw. Steuerberater aufsuchen. Wichtig ist uns aber, dass wir uns ausreichend vorher informieren. Wir möchten nicht zum Anwalt gehen und uns irgendwas verkaufen lassen. Der letzte Anwalt bei dem wir waren, wollte uns eine GmbH verkaufen. (ohne über unsere Pläne Bescheid zu wissen. Nein, danke.)


    Hintergrund / Erklärung:

    Wir hoffen auch, dass man das nicht falsch versteht. Wir möchten ganz sicher nicht den Staat oder etwa sogar die Allgemeinheit betrügen und uns den Steuern entledigen. Wir leben ja auch in diesem Land und möchten, dass wir eine gesicherte Zukunft haben können und werden.

    Auf der anderen Seite sehen wir es trotzdem nicht ein, dass man bei der Gründung, beim Aufbau und beim "Hochziehen" einer Existenz schon fast ausgezogen wird und manchmal seine Einnahmen bis zur Hälfte abdrücken muss. Da sollten dann erstmal andere herhalten wie Apple, Amazon oder IKEA, aber nicht die Kleinen, die eh schon um jeden Cent kämpfen müssen, komplett bis ins Kleinste überwachen und besteuern.

    Es ist auch einfach wirklich schade, wenn man sieht wie viele (kleinere) Existenzen in Deutschland kaputt und insolvent gehen, die Leute auf einem Berg Schulden sitzen und um einen schlechten Job kämpfen müssen. Große Schuld daran tragen Konzerne wie Amazon. Klar müssen wir uns mit der neuen Situation abfinden, aber wenn solche Gauner sich nicht an die Gesetze halten, an die sich auch Kleinunternehmen halten müssen, dann braucht sich wirklich niemand zu wundern, dass diese Konzerne die Wirtschaft und die Politik übernehmen und bestimmen und die Demokratie nichts (mehr) zu melden hat.

    Außerdem ist es für den Staat auch besser, wenn aus jungen Selbstständigkeiten auch wirklich etwas wird, andernfalls gibt es nämlich keine Steuern sondern eher noch einen Antrag auf irgendwelche Hilfen oder Insolvenzfälle, wenn man statt auf Unterstützung nur auf Reglementierung und "Ausbeutung" hoffen kann. Es geht ja irgendwann auch gar nicht mehr ums Geld, sondern um die Zeit und den Aufwand, sich hinzusetzen und für jeden noch so kleinen Betrag eine riesen Bürokratie bzw. Aktenaufwand zu betreiben.

    Ein paar Worte zur Umsatzsteuer:
    Auch die belastet Crowdfunding konkret: Wir haben keine Kunden, sondern Unterstützer. Und der unterstützt uns bei einem gewissen Preis, sonst springen die meisten ab und das Projekt ist zum Scheitern verurteilt. Und wenn das Geld fehlt, um an unser Fundingziel zu kommen reicht es nicht zur Realisierung (Auszahlung).

    Außerdem lässt sich technisch bei Kickstarter keine UST ausweisen.

    Unsere Produkte würden niemals existieren, wäre das Funding nicht erfolgreich. Aus Finanzamt-Sicht könnte man argumentieren, dass man aus einem Fundingziel, bei dem 11.900€ zur Umsetzung zwingend benötigt werden, erst 1900€ UST abführen müsste. Doch in diesem Fall ist das Projekt gar nicht erfolgreich gefundet, denn die nötige Summe steht nicht mehr zur Verfügung.

    Das Funding soll mMn von einem "extra Betrag" (UST) befreit sein, der zur Umsetzung des Ziels nicht benötigt wird. Der Staat kann nicht an einem Projekt "auf gut Glück" mitverdienen. Ist das Funding erfolgreich, will der Staat UST kassieren. Ist es nicht erfolgreich, gibt es "halt nichts", und ein lange geplantes und organisiertes Projekt ist aufgrund solcher Regelungen gescheitert?

    Ganz abgesehen von erhöhten Produktionskosten durch einen Produktionsstop, durch geänderte Zollbestimmungen, durch politische oder kriegerische Auseinandersetzungen im Produktionsland (Bsp. Türkei).

    Na ja, man könnte noch mehr dazu sagen…


    Mir ist auch wirklich klar, dass ich hier keine Rechtsberatung erwarten kann und darf. Und ich werde auch niemandem verübeln, wenn er meine Einstellung verteufelt, aber hier dann doch ein paar Tipps, Infos oder Links zusammenkommen... – ich würde mich sehr darüber freuen. Mir muss auch nichts vorgekaut werden, ich recherchiere natürlich selbst weiter.

    Ich lasse mich auch gern auf eine konstruktive und faktenbasierte Diskussion ein, das Thema ist ja doch etwas heikel. (Aber auf Standard-Aussagen wie "Was wenn das jeder so macht" werde ich nicht eingehen.)

    In diesem Sinne: Ich freue mich über eine aktive Diskussion und hoffe, das auch viele andere Gründer und Jungunternehmer diesem Thread viel Positives abgewinnen können.

    #2
    Hallo,
    ich kann es niemandem verübeln, wenn er sich den ganzen Beitrag nicht ganz durchliest. Deshalb auch oben die "Fakten" und unten die Erläuterungen.

    Selbstverständlich werden und wollen wir zum Anwalt und Steuerberater gehen. Wir suchen derzeit auch schon nach kompetenten Leuten.

    Beim letzten bei dem wir waren, ging es zwar um ein anderes Thema aber am Schluss wollte er uns abwerben und sagte "Sie sind ein Startup? Wenn Sie ein Unternehmen gründen, kann ich Ihnen gerne behilflich sein. Ich empfehle eine GmbH."
    Danke und tschüss. Und dabei war die Beratung davor ziemlich gut. Lag aber auch daran, dass wir uns vorinformiert haben.

    Wir wollen mit ganz konkreten Richtlinien und Leitsätzen zum Anwalt und brauchen keine Rechtsberatung, die uns erstmal 25.000 € für ein Stammkapital aus den Taschen zieht – und das ohne über unsere Verhältnisse Bescheid zu wissen.
    So arbeiten wir nicht.

    Und dabei habe ich sehr professionelle Kanzleien bisher gesehen. Natürlich nicht in Deutschland. z.B. steuerkanzlei.co.uk – echt empfehlenswert dort mal (kostenlos) einiges nachzulesen.

    Aber ich sehe schon... Deutsche Mentalität. Nicht helfen, lieber runterspielen. Und dabei habe ich mir fest vorgenommen, auf soetwas nicht einzugehen. Aber es is nunmal mein Thread und leider bin ich auch noch genug Deutscher, um mich leicht provozieren zu lassen...

    Trotzdem viele Grüße und ein schönes Wochenende!

    P.S: Warum sollte ich für jedes Forum einen unterschiedlichen Beitrag schreiben? Deshalb habe ich ihn so ausführlich gemacht.

    Kommentar


      #3
      @Miu Miu: Ihr Vorhaben zähle ich zum Themengebiet "Träumerle"; ohne zwingend notwendige Steuer-Fachberatung wird Ihnen genau das passieren, was Sie selber beschreiben: > Es ist auch einfach wirklich schade, wenn man sieht wie viele (kleinere) Existenzen in Deutschland kaputt und insolvent gehen, die Leute auf einem Berg Schulden sitzen"<

      Kommentar


        #4
        @Regew: Was genau meinen Sie mit "Werbung"? Ich werde auf keinen Fall das Projekt nennen, um das es hier geht, zumal davon auch noch nicht viel zu sehen ist.

        Und Werbung für Crowdfunding-Portale selbst kann es auch nicht sein, die gehen mich ja erstmal nichts an und sind bekannt genug.

        Kennen Sie sich denn ein wenig damit aus?

        Und nochmals: Die "zwingend notwendige Steuer-Fachberatung" sehen wir als absolute Voraussetzung an. Nur verstehe ich nicht, warum in Deutschland jeder und mit allen Mitteln versucht wird, die Leute völlig ohne Vorahnung und Vorwissen zum Anwalt zu schicken. Die verkaufen einem in erster Linie eine gute lange Arbeitszeit mit ordentlichem Stundenlohn, was ich Ihnen auch nicht verübeln werde, bei dem ganzen Zeug, mit denen die sich auskennen müssen. Aber Vorwissen wäre halt echt schön gewesen...
        Schade, verschenkte Lebenszeit...

        In 2 Wochen ist der Termin beim Anwalt. Aber bei der Mentalität hier, werde ich wohl kaum meine "Erkenntnisse" hier posten, ganz gleich wie sie ausfallen werden.

        P.S. Trotzdem danke für die Antworten bisher, ich freue mich in jedem Fall über eine Diskussion. Ganz egal, wer welcher Meinung ist. Das gehört auf jeden Fall dazu!

        Kommentar


          #5
          Ich habe meinen ersten Beitrag gelöscht. An einer solchen Diskussion beteilige ich mich nicht weiter.

          Ich verstehe das Anliegen von Miu Miu nicht.

          Kommentar


            #6
            Es wird ja immer besser. I love Germany... Sowas kann einem leider nur hier passieren.

            Aber ich hab meine Infos trotzdem ganz gut beisammen. Wird schon

            Kommentar


              #7
              Zitat von Miu Miu Beitrag anzeigen

              Und Werbung für Crowdfunding-Portale selbst kann es auch nicht sein, die gehen mich ja erstmal nichts an und sind bekannt genug.
              !
              Ja ja...=)

              Kommentar


                #8
                @apfelinerin: Zitat des kompetenten Forums-Mitgliedes Staufer vor einigen Monaten:
                dieses Forum zeichnet sich wohltuend damit aus, dass sich die Teilnehmer bei ihren Antworten und Hinweisen möglichst um Präzision bemühen und dann nichts posten, wenn es sich nur um Vermutungen handelt.
                Reine Spekulationen oder sinnfreie Kommentare sollten wir anderen Foren überlassen...

                Kommentar


                  #9
                  Zitat von Miu Miu Beitrag anzeigen
                  ​Hallo!

                  Ich mache es am Anfang sehr kurz und zum Ende hin erkläre ich meine Hintergründe etwas ausführlicher, damit für jeden etwas dabei ist

                  Im 1. Abschnitt geht es nur um reine Fakten und die Pläne. Im 2. Abschnitt erläutere ich die (moralischen) Hintergründe mit mobile casino bonus ohne einzahlung.


                  Eigentliche Frage / Sachverhalt:

                  Wir möchten Ende des Jahres eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter starten. Wir planen dies seit 2014 und haben uns bisher eine kleine Fanbase mit unseren Prototypen aufgebaut. Auf Kickstarter möchten wir v. a. eine Handtasche und einen Weekender (Unisex-Reisetasche) als Hauptprodukte anbieten. (Ergänzt durch weitere Sachen...)

                  Inzwischen sind wir ganz gut mit der Materie rund um Kickstarter vertraut und ich möchte gleich zur Sache kommen. Wir möchten die Einnahmen unserer Unterstützer so gut wie möglich reinvestieren. Toll wäre ein funktionierendes Lager, ein Online-Store, eine moderne Website, evtl. ein paar Aufträge für weitere Produkte und wenn es ein großer Erfolg wird vll. sogar ein richtiger Store.

                  Und dabei möchten wir 2 Sachen sehr kurz halten bzw. vermeiden:
                  • Wir haben nicht die Zeit und die Mittel eine große Buchführung zu betreiben
                  • Wir möchten nicht ca. 25 - 30 % Steuern zahlen bevor wir das Geld reinvestieren können (bedeutet 30 % mehr investieren), egal ob Einkommenssteuer oder über eine GmbH usw.

                  Gleich vorweg: Unten stehen unsere Gedanken und Hintergründe dazu. Wir wollen später keine Steuern mehr „hinterziehen“, aber am Anfang zum Aufbau einer Existenz zählt man generell jeden Cent. Und wir möchten vorausschauend planen und kalkulieren.

                  Ein Beispiel:
                  Wir nehmen 1000 € ein. Nun haben wir aber keine 19 % Umsatzsteuer ausgewiesen. Geht auch gar nicht, Kickstarter kennt das nicht.
                  Letztlich müssten wir sie aber abführen.
                  • 1000 / 1,19 = 840 (840 bleiben übrig)
                    Wie sollen wir das den Unterstützer vermitteln? Geht nicht. Und ich gehe davon aus, dass ca. 90 % aller Crowdfunding-Kampagnen keine Steuern abführen.
                  • weitere 10 % verlangt Kickstarter und die Zahlungsanbieter:
                    1000 * 0,1 = 100
                    840 – 100 = 740
                  • 30 % müssen wir an eine Marketing-Agentur abtreten (mit Cashback). (Der Crowdfunding-Markt ist spätestens in 2-3 Jahren ein Ramsch-Markt, ohne diese Anbieter geht es mittlerweile nicht mehr)
                    740 – (1000 * 0,3) = 440
                  • weitere 25 % gehen für die Produktion weg, da wir faire Preise anbieten wollen. Dafür stehen wir:
                    440 – (1000 * 0,25) = 190
                  • davon nochmal mindestens 25 % Steuern weg:
                    190 – (190 * 0,25) = 140
                    Dazu der Buchhaltungskram, Steuerberater und die ganze Zeit, die man als Gründer für etwas anderes braucht. Hier ist leider der Sinn des Crowdfundings missverstanden worden.


                  Unsere Idee bisher:
                  Wir gründen eine Holdingstruktur aus 2 Limiteds. Kostenpunkt mit 1 Jahr Beratung und allen Abschlüssen und Buchhaltung: maximal 2500 €

                  Vgl.: Kostenpunkt einer GmbH: mindestens 25k Stammkapital und durch Notar usw. knapp 30k

                  Wir können so 95 % unseres Gewinns unversteuert in die Holding-Mutter fließen lassen, haben deutlich mehr Kapital für Investitionen und versteuern die restlichen 5 % ganz normal. Dieses Geld dürfte man dann sogar privat nutzen, richtig?

                  Vorteile für uns:
                  • Limited auf dem weltweiten Markt (v. a. USA und GB) viel bekannter und anerkannter
                  • Limiteds sind günstiger umzustrukturieren und in andere Länder auszulagern
                  • mehr Investitionsvolumen


                  Sehr gerne würden wir uns für das Crowdfunding auch die Umsatzsteuer aus Zeitgründen und Kostengründen sparen.
                  Bzgl. der UST heißt es: „Im Sinne des Umsatzsteuergesetzes soll nur der Endverbraucher mit der Umsatzsteuer tatsächlich belastet werden. Für Unternehmer stellt die Umsatzsteuer grundsätzlich also nur einen durchlaufenden Posten dar.“
                  Für Crowdfunding-Projekte leider nicht zutreffend, mehr dazu schreibe ich unten.

                  Es gibt Firmen, die ihre Produkte ins Ausland verkaufen und im Ausland keine UST auf ihre Produkte anfällt. Z.B. verkauft die Firma Jelsoft nach Deutschland ihre Software netto auch an Endverbraucher? Leider habe ich nur wenig dazu gefunden.

                  Bsp.: Ich muss die UST nur auf die hier in Deutschland/Europa ausgelieferten Waren abführen. Die Einnahmen aus anderen Ländern sind für mich also frei von UST?

                  Bisher habe ich häufig gelesen, dass man die UST im Land des Sitzes abführen kann. Und da gibt es gute Länder mit niedriger UST, z.B. Schweiz, Liechtenstein, Andorra, Kanada…


                  Meine Fragen sind nun hauptsächlich:
                  • Sehe ich alles richtig? Wird das so funktionieren?
                  • Habt ihr noch weitere Tipps oder Hinweise auf evtl. Probleme?
                  • Erfahrungen? Was sagen Finanzämter dazu?
                  • Gibt es eine bessere Lösung?
                  • Warum findet man im Internet keine Rechts- und Streitfälle zum Thema? Als ob jeder seine Steuern richtig zahlen würde…
                  • Falls jemand Infos zur Haftung hat, die man nicht überall nachlesen kann, wäre ich auch für Tipps dankbar. Ansonsten etwas für einen Anwalt/Berater…


                  Wir werden in den nächsten Wochen auf jeden Fall einen Anwalt bzw. Steuerberater aufsuchen. Wichtig ist uns aber, dass wir uns ausreichend vorher informieren. Wir möchten nicht zum Anwalt gehen und uns irgendwas verkaufen lassen. Der letzte Anwalt bei dem wir waren, wollte uns eine GmbH verkaufen. (ohne über unsere Pläne Bescheid zu wissen. Nein, danke.)


                  Hintergrund / Erklärung:

                  Wir hoffen auch, dass man das nicht falsch versteht. Wir möchten ganz sicher nicht den Staat oder etwa sogar die Allgemeinheit betrügen und uns den Steuern entledigen. Wir leben ja auch in diesem Land und möchten, dass wir eine gesicherte Zukunft haben können und werden.

                  Auf der anderen Seite sehen wir es trotzdem nicht ein, dass man bei der Gründung, beim Aufbau und beim "Hochziehen" einer Existenz schon fast ausgezogen wird und manchmal seine Einnahmen bis zur Hälfte abdrücken muss. Da sollten dann erstmal andere herhalten wie Apple, Amazon oder IKEA, aber nicht die Kleinen, die eh schon um jeden Cent kämpfen müssen, komplett bis ins Kleinste überwachen und besteuern.

                  Es ist auch einfach wirklich schade, wenn man sieht wie viele (kleinere) Existenzen in Deutschland kaputt und insolvent gehen, die Leute auf einem Berg Schulden sitzen und um einen schlechten Job kämpfen müssen. Große Schuld daran tragen Konzerne wie Amazon. Klar müssen wir uns mit der neuen Situation abfinden, aber wenn solche Gauner sich nicht an die Gesetze halten, an die sich auch Kleinunternehmen halten müssen, dann braucht sich wirklich niemand zu wundern, dass diese Konzerne die Wirtschaft und die Politik übernehmen und bestimmen und die Demokratie nichts (mehr) zu melden hat.

                  Außerdem ist es für den Staat auch besser, wenn aus jungen Selbstständigkeiten auch wirklich etwas wird, andernfalls gibt es nämlich keine Steuern sondern eher noch einen Antrag auf irgendwelche Hilfen oder Insolvenzfälle, wenn man statt auf Unterstützung nur auf Reglementierung und "Ausbeutung" hoffen kann. Es geht ja irgendwann auch gar nicht mehr ums Geld, sondern um die Zeit und den Aufwand, sich hinzusetzen und für jeden noch so kleinen Betrag eine riesen Bürokratie bzw. Aktenaufwand zu betreiben.

                  Ein paar Worte zur Umsatzsteuer:
                  Auch die belastet Crowdfunding konkret: Wir haben keine Kunden, sondern Unterstützer. Und der unterstützt uns bei einem gewissen Preis, sonst springen die meisten ab und das Projekt ist zum Scheitern verurteilt. Und wenn das Geld fehlt, um an unser Fundingziel zu kommen reicht es nicht zur Realisierung (Auszahlung).

                  Außerdem lässt sich technisch bei Kickstarter keine UST ausweisen.

                  Unsere Produkte würden niemals existieren, wäre das Funding nicht erfolgreich. Aus Finanzamt-Sicht könnte man argumentieren, dass man aus einem Fundingziel, bei dem 11.900€ zur Umsetzung zwingend benötigt werden, erst 1900€ UST abführen müsste. Doch in diesem Fall ist das Projekt gar nicht erfolgreich gefundet, denn die nötige Summe steht nicht mehr zur Verfügung.

                  Das Funding soll mMn von einem "extra Betrag" (UST) befreit sein, der zur Umsetzung des Ziels nicht benötigt wird. Der Staat kann nicht an einem Projekt "auf gut Glück" mitverdienen. Ist das Funding erfolgreich, will der Staat UST kassieren. Ist es nicht erfolgreich, gibt es "halt nichts", und ein lange geplantes und organisiertes Projekt ist aufgrund solcher Regelungen gescheitert?

                  Ganz abgesehen von erhöhten Produktionskosten durch einen Produktionsstop, durch geänderte Zollbestimmungen, durch politische oder kriegerische Auseinandersetzungen im Produktionsland (Bsp. Türkei).

                  Na ja, man könnte noch mehr dazu sagen…


                  Mir ist auch wirklich klar, dass ich hier keine Rechtsberatung erwarten kann und darf. Und ich werde auch niemandem verübeln, wenn er meine Einstellung verteufelt, aber hier dann doch ein paar Tipps, Infos oder Links zusammenkommen... – ich würde mich sehr darüber freuen. Mir muss auch nichts vorgekaut werden, ich recherchiere natürlich selbst weiter.

                  Ich lasse mich auch gern auf eine konstruktive und faktenbasierte Diskussion ein, das Thema ist ja doch etwas heikel. (Aber auf Standard-Aussagen wie "Was wenn das jeder so macht" werde ich nicht eingehen.)

                  In diesem Sinne: Ich freue mich über eine aktive Diskussion und hoffe, das auch viele andere Gründer und Jungunternehmer diesem Thread viel Positives abgewinnen können.
                  Selbstverständlich werden und wollen wir zum Anwalt und Steuerberater gehen. Wir suchen derzeit auch schon nach kompetenten Leuten.

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